by Heike Krause
Wenn man sich abends in die deutschen Wohn- und Schlafzimmer beamt, dann wird
man feststellen, dass wirklich viele Deutsche nach Feierabend an verbotenen
Glücksspielen teilnehmen. Einer Umfrage zufolge, soll es über eine halbe Million
sein, die das Online Glücksspiel wagen. Es gibt Seiten auf denen mit Spielgeld
gespielt wird, das sind Seiten auf denen man viel Spaß haben kann aber kein Geld
verliert, man lernt das Spiel kennen und muss am Ende kein böses Ergebnis
erwarten. Es gibt allerdings auch Webseiten, die nahezu identisch aussehen und
bei denen es um echtes Geld geht. Und somit ist das Spielen dort illegal.
Um das Verbot kümmert sich aber kaum jemand. Ungefähr 580 000 Deutsche
spielen regelmäßig verbotene Spiele im Internet, wie Poker um Geld. Die
Universität Hamburg hat eine Studie auf die Beine gestellt. Sechs Monate lang
wurden die Daten des unabhängigen Marktbeobachters pokerscout.com aufgezeichnet,
die Herkunft und das Spielverhalten von 4,6 Millionen Spieleridentitäten
ausgewertet. Dass das Glücksspiel im deutschen Internet verboten ist,
muss weiter publik gemacht werden.
Sechs Millionen Spieler spielen weltweit Internet Glücksspiele
Das Ergebnis zeigte, dass weltweit sechs Millionen Spieler um Geld im
Internet spielen und jährlich 3 Milliarden Euro verlieren. Trotz des Verbots
bildet Deutschland nach den USA den größten Zocker-Markt. Fast 400 Millionen
Dollar verlieren die Spieler hierzulande an ausländische Anbieter. Die Deutschen
verlieren pro Kopf 650 Dollar im Jahr, wenn man dies im weltweiten Vergleich
ansieht ist das ziemlich hoch. Hoch ist Konzentration der Umsätze auf eine
kleine Spielergruppe, erklärt Ingo Fiedler von der Uni Hamburg. Ein Prozent der
Spieler sei für 60 Prozent des Spielvolumens verantwortlich. Zehn Prozent der
Spieler stehen sogar für 91 Prozent aller Einnahmen der Anbieter. Die Industrie
erhält demnach den Großteil ihrer Einnahmen von exzessiven Spielern. Zu dieser
Gruppe gehören die Süchtigen, sogenannte pathologische Spieler sowie
Professionelle Spieler, Laut Fiedler ist für Profis Onlinepoker ein
Geschicklichkeitsspiel, für den Großteil der Spieler aber ein Glücksspiel.
Warum spielen Raab, Becker und Heinz?
Dass das Pokern im Internet illegal ist wissen allerdings nicht viele.
Fiedler: „Wenn im Fernsehen Stefan Raab, Boris Becker und Pius Heinz öffentlich
um Geld spielen, dann verstehen die Leute nicht, was daran verboten sein soll."
Pius Heinz, der seine Pokerkarriere im Internet begann, gehört zur Riege der
professionellen Spieler, wurde 2011 als erster Deutscher Pokerweltmeister,
strich 8,7 Millionen Dollar Gewinngeld ein und steigerte die Beliebtheit des
Spiels in Deutschland noch mal.
Allein in Deutschland gibt es ungefähr 250 000 Spielsüchtige, darunter auch
viele Pokerspieler. Die Gewinne landen im Ausland, allerdings bleiben die Kosten
im Lande. Kosten für die Heilung und Bekämpfung von Spielsucht und Verschuldung.
Glücksspiel im deutschen Internet verboten und trotzdem spielen 500 000
Deutsche online.