8. November 2011
 

Faber flüchtet nach Schleswig-Holstein

by Otto Maier

Lotto Faber zieht nach Glückstadt

Das Lotto-Unternehmen von Norman Faber, Lotto Faber, will Teile seiner Unternehmensgruppe von Nordrhein-Westfalen nach Schleswig-Holstein verlagern. Angestrebtes Ziel ist Glückstadt. Der Firmenchef Faber flüchtet nach Schleswig-Holstein weil nur dort eine Zukunft für das deutsche Lotto möglich sei, laut Faber. Vom neuen Glückspielvertrag erwartet er wahrlich nicht viel Positives.

Der neue Vertrag liberalisiere zaghaft die Sportwetten, sperre aber das harmloseste Glücksspiel, das Lotto Spiel, unter dem Vorwand der Suchtprävention. Dabei habe das Oberverwaltungsgericht Münster eindeutig erklärt, dass Lottospielen nicht süchtig mache

Unternehmen möchten ein Zeichen setzen

Dies geschieht auch, um den Ministerpräsidenten der 15 Bundesländer ein klares Zeichen zu senden. Schleswig-Holstein gehe den richtigen Weg, den Weg der es den Unternehmen ermögliche, wieder normale Umsätze zu machen. Seit Einführung des ersten Glücksspielstaatsvertrags vor vier Jahren seien die Lottoumsätze um ein Drittel eingebrochen, ein Einnahmeverlust von drei Milliarden Euro pro Jahr.

Faber hatte am Wochenanfang im WDR-Fernsehen angekündigt, vom Norden aus bundesweit tätig werden zu wollen. Die Prognose für den derzeitigen Unternehmensstandort Bochum bezeichnete er als düster. In Nordrhein-Westfalen bräuchte er nach dem neuen Glücksspielstaatsvertrag der 15 Bundesländer 34 Genehmigungen, um auch in allen Bundesländern aktiv zu sein. Diese wird er allerdings nicht erhalten. Einige Mitarbeiter sollen jetzt in den Norden geschickt werden.

Kiel geht mit gutem Beispiel voran

Im September hatte der Landtag in Kiel beschlossen, das Glücksspiel zu liberalisieren. Das Gesetz tritt Anfang 2012 in Kraft. Im März 2012 werden die ersten Lizenzen vergeben. Schleswig-Holstein öffnet mit dem neuen Gesetz den Glücksspielmarkt deutlich weiter als die übrigen Länder. Private Anbieter können künftig Lizenzen für Online-Lotto, Sportwetten, Online-Poker oder auch Casinospiele erhalten. Die Landesregierung erhofft sich Mehreinnahmen für das hoch verschuldete Land von bis zu 60 Millionen Euro jährlich.

Weitere Unternehmen werden folgen

Faber flüchtet nach Schleswig-Holstein und viele Unternehmen werden folgen. Das vor 13 Jahren in Kiel gegründete Unternehmen Jaxx SE (früher Fluxx.com) will mit 80 Mitarbeitern aus Hamburg-Altona nach Schleswig- Holstein. Das Unternehmen wollte an den Hamburger Rand ziehen und freue sich besonders, dass Schleswig-Holstein das erste Bundesland sei, das ein fortschrittliches Glücksspielrecht beschließe.

Auch der Geschäftsführer von Tipp24 plant nach eigenen Worten eine Firmengründung in Schleswig-Holstein. Sein Unternehmen hatte zuletzt zahlreiche Arbeitsplätze nach England verlagert.

Geld und Arbeitsplätze für Schleswig-Holstein

Insgesamt wollten sich 40 Firmen aus der Glücksspiel-Branche in Schleswig-Holstein niederlassen, erklärte der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Hans-Jörn Arp. Der größte Teil davon seien Lotto- und Sportwetten Anbieter. Arp rechnet mit 2000 Arbeitsplätzen und einem Aufschwung für sein Land.